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Frankfurter Allgemeine vom 10.April 2001

Guter Klang am klugen Kopf

Ein Walkman-Mikrofon mit exzellenter Akustik und günstigem Preis

Niemand merkt etwas. Es scheint ein Walkman-Liebhaber zu sein, der mit einem Stöpsel in jedem Ohr durch die Frankfurter Innenstadt flaniert. Auch in der Paulskirche stören der Ohrenschmuck und das Kabel nicht. Hinter dem blauen Knöpfchen im linken und dem roten im rechten Ohr verbirgt sich aber ein kleines Geheimnis: Es handelt sich nicht etwa um Walkman-Kopfhörer, sondern um ein hochwertiges Elektret-Kondensatormikrofon.

Mit dem gelingen Live-Aufnahmen nicht nur sehr unauffällig, sondern auch in verblüffend guter Qualität. Der Hersteller Soundman vertreibt seine gleichnamigen Produkte über das junge Oldenburger Unternehmen Soundmedien. Soundmedien bietet die Orginalkopfmikrofone ( OKM ) in mehreren Ausführungen an. In einem stabilen Holzkästchen ( ausgeschlagen mit rotem Tuch) kommt die Pretiose zu Preisen zwischen 140 und 600 Mark ins Haus. Das einfachste OKM I nimmt von 30 Hertz bis 16 Kilohertz bei einer Pegeldifferenz zwischen beiden Mikrofonen beträgt höchstens 1.5 Dezibel. Das etwas bessere OKM II reicht bis 20 Kilohertz bei einer Pegeldifferenz von weniger als 1 Dezibel und kostet 270 DM. Für besondere Ansprüche gibt es die Studioversion (498,– Mark ). Die Kanäle weichen um höchstens 0.5 Dezibel voneinander ab, und der Frequenzgang ist äußerst gerade. Am Ende der Herstellung sucht ein Computer die zueinander passenden Mikrofone automatisch aus. Ein besondere R-Variante für Rockmusik kostet DM 480,–Mark ( in der Studioversion 600 Mark) und verträgt einen höheren Schalldruck – notwendig nicht nur bei Rock und Pop, sondern auch bei Trompetenklängen. Wir haben das OKM II in der Studioversion ausprobiert, wie es auch beim Westdeutschen Rundfunk und bei der englischen BBC eingesetzt wird.

Die kleine Elektret-Kapsel des OKM hängt an einer gut einen Meter langen Schnur, ein

mitgelieferter Aufroller schützt das Kabel. Der Klinkenstecker am anderen Ende ist vergoldet. Für das Aufnehmen mit dem OKM kann man jeden Datenträger nutzen. Besonders sinnvoll ist natürlich ein digitaler Speicher wie DAT oder die robuste, kleine Mini-Disc (MD), die fast an den Klang der CD heranreicht und fast immer die beste Wahl ist. Wenn das Aufnahmegerät keine Tonaderspeisung für die Energieversorgung an der Mikrofonbuchse offeriert, braucht man eine zusätzliche Stromzufuhr. Soundmedien empfiehlt den Adapter A 3. Der daumennagelgroße Zwischenstecker bietet zudem eine schaltbare Vordämpfung (minus 20 Dezibel) für laute Aufnahmen und einen Trittschallfilter. Der interessanteste Aspekt ist aber die Möglichkeit, mit dem A 3 den Line-Eingang des Aufnahmegerätes zu nutzten. Dann erhält man eine um 30 Dezibel höhere Mikrofonspannung und damit einen beträchtlichen Dynamikgewinn gegenüber dem direkten Anschluß am herkömmlichen Eingang. In der Praxis lassen sich die kleinen Knöpfe sehr einfach nutzten. Sie stecken zwar nicht besonders bequem im Ohr wohl aber rutschfest. Wegen der geschützten Unterbringung werden viele Unannehmlichkeiten von Krawattenmikrofonen umgangen, etwa störende Kratzgeräusche durch Reibung. Auch bieten die Ohren einen gewissen Windschutz. So wundert kaum, dass die Akustik des OKM hervorragend ist. Mit der Mini-Disc gelangen Aufnahmen, die schlichtweg begeistern. Man sollte darauf achten, dass der Rekorder bei manueller Aussteuerung die Nachregelung noch während der Aufnahme erlaubt. Das ist sinnvoll und wichtig, weil schon kurzzeitiges Überschreiten des maximalen Signalpegels zu unschönen Verzerrungen führt. Die beiden Mikrofone haben eine leichte Kugelcharakteristik.

Natürlich klingt diese Kunstkopfstereophonie mit einem realen Kopf bei der Wiedergabe am besten über einen Kopfhörer. Wenn man den eigenen Kopf für andere Dinge freihalten will, hat Soundmedien ein interessantes Angebot: Für 380 Mark gibt es einen Kunstkopf mit der Geometrie des AKG D 99 C. Alles in allem sind die neuen Soundman-Mikrofone sehr empfehlenswert, wenn etwa Musikfreunde ihren eigen Chor aufnehmen wollen oder der Videofilmer mehr Tonqualität für seinen Camcorder sucht. MICHAEL SPEHR


Das Dia-Magazin
Testbericht

»Es gibt Dinge, die sind einfach zu schön, um wahr zu sein. Und es gibt Dinge, die sind zu unscheinbar, um um in ihrer wahren Größe sofort erkannt zu werden. Eins solches Ding ist das SOUNDMAN OKM II. Es handelt sich hier um ein Originalkopfmikrofon, das Stereoaufnahmen von atemberaubener Räumlichkeit ermöglicht.

Auf den ersten Blick glaubt man, einen dieser 08/15-Kopfhörer auszupacken, wie sie für ein paar Märker zu haben sind. Aber eben nur auf den ersten Blick. In einer kaum handflächengroßen Kunststoffbox befindet sich ein Mikrofon, das den berühmten Ohrstöpseln ähnelt.

Ich habe es mit einem Sony Walkman WM-D6C ausprobiert. Die Bedinung ist ganz einfach. Roten Stöpsel ins rechte Ohr, blauen ins linke, die Miniklinke in die Mic-Buchse und – Aufnahme. Was dann beim Abhören über Kopfhörer passiert, hat mich schlicht begeistert. Ein akustischer Ohrenschmaus! Aber selbst über die Boxen ist die Qualität top – nur der Raumeffekt ist nicht mehr so ausgeprägt.

Zum OKM-II wird ein »Speiseteil mit Stromversorgung und Zusatzfunktionen A3« mitgeliefert. Das versorgt das Elektret-Kondensatormikrofon mit Spannung, wenn dem Aufnahmegerät ein Tonaderspeisung fehlt. Damit läßt sich das OKM-II auch gut an DAT-Portables einsetzen.

Ein Trittschallfilter, das den Nahbesprechungseffekt ausgleicht und den für Sprachaufnahmen nicht relevanten Frequenzbereich unter 300 Hz abschwächt sowie eine zuschaltbare Zusatzdämpfung für laute Schallquellen (-20 dB) sind weitere Feinheiten beim Betrieb des OKM-II mit dem Adapter A3 über einen LINE-Eingang.

Die Zeiten, da man dicke Mikros mitschleppen mußte, um O-Töne für die Dia-Schau heimzubringen scheinen damit vorbei. Das OKM-II ist so klein und unauffällig und wird für weniger als 300 DM angeboten.
Ich wünsche mir, daß das filigrane Gerätchen recht lange hält und nie kaputt geht – ich möchte nicht mehr darauf verzichten.«